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Rezension meines Praktikums bei einer Staatsanwaltschaft

Dies ist eine Diskussion zu Rezension meines Praktikums bei einer Staatsanwaltschaft innerhalb des Forums Allgemeines Juristenforum

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Alt 04.04.2010, 00:02
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Rezension meines Praktikums bei einer Staatsanwaltschaft

Hallo liebe Forums-User =)

Wie mir aufgefallen ist, gibt es bisher nicht so wirklich viele Praktikums-Rezensionen, daher hab ich beschlossen, selbst mal eine zu verfassen, damit die Studenten, die das Forum hier nutzen auch eine Vorstellung davon bekommen, was dort von ihnen velangt wird.

Wie der Titel schon sagt, habe ich gerade ein 5-wöchiges Praktikum bei einer Staatsanwaltschaft gemacht und ich muss sagen: ich bin schon etwas enttäuscht gewesen.
Alles ging bereits damit los, dass mein "Arbeitstag" in der Regel von 9 - 12 Uhr dauerte. Teilweise war er sogar noch kürzer. Es blieb also nicht viel Zeit um wirklich mal einen Arbeitstag eines Staatsanwalts zu erleben.
Zudem hat man versucht mich mehr oder weniger zu beschäftigen, als dass man mir etwas vermitteln mochte. Das sah dann in der Regel so aus: Hier hast du die Akten für die Fälle, die morgen beim Amtsgericht bei Richter R verhandelt werden. Schau da mal rein, dann kannst du Feierabend machen und morgen siehst du dir dann genau diese Prozesse an. Und so lief es jeden Tag aufs Neue ab.
In den ersten 2 - 3 Wochen war das ja auch ganz spannend, man hat eben viele Verhandlungen gesehen, aber eben nicht die alltägliche Arbeit eines Staatsanwalts.
Ich war dort eher ein Störfaktor, den man versucht hat zu umgehen. Daher hatte ich bei der Gestaltung meines Praktikums (also was ich denn gern noch sehen möchte etc.) ziemlich freie Hand. Dementsprechend wär dort auch niemandem aufgefallen, wenn ich mal nicht da gewesen wär. Ich hätte mir eine klarere Linie gewünscht.
Prinzipiell kann ich dieses Verhalten ja sogar verstehen, schließich sind das Arbeitspensum und der Arbeitsumfang, den die guten Damen und Herren dort zu erledigen haben, enorm hoch, keine Frage, doch hatte ich eigentlich mehr erwartet. Immerhin hab ich mich eine ganze Weile vorher beworben und nicht nur schnell mal angerufen. Ich bin also davon ausgegangen, dass es dort irgendeine Verwendung für mich gibt, auch wenn es nur das klassische Bild vom kopierenden und Kaffee-holenden Praktikanten gewesen wär. Aber nicht einmal das durfte ich machen. Verständlich, das fällt ja auch nicht in mein späteres Berufsfeld.

Letztendlich war aber auch nicht alles schlecht, dass muss ich dazu sagen. Ich war ja nun relativ lang dort und konnte so eben auch verschiedene Bereiche sehen (wenn auch erst durch Eigeninitiative). Ich war in der Jugendstrafabteilung und in der Abteilung für Kapitaldelikte (Mord, Totschlag etc.). Jeweils einen Tag habe ich mit einem Rechtspfleger, einem Amtsanwalt und einer Dame in der Geschäftsstelle verbracht, die mir ihre alltägiche Arbeit versucht haben zu erklären und zu zeigen. Einmal durfte ich mich auch an einer Anklageschrift versuchen, die hinterher aus Datenschutzgründen natürlich vernichtet werden musste, aber mit der man eigentlich ganz zufrieden war. Außerdem gewährte man mir den Einblick in die Akten von einigen Umwelt- und Tierschutzdelikten und dann waren da ja noch die unzähligen Verhandlungen am Amts- und Landgericht, die ich gesehen hab, zu welchen ich ja auch meistens vorher Akteneinsicht hatte.
Das klingt jetzt recht viel, aber es gab eben auch noch viele andere Dezernate zu denen ich keinen Zugang bekommen hab. Bei der organisierten Kriminalität und den großen Wirtschaftssachen (z.B. Korruptionsfälle) versteh ich das auch, aber so kleine BTMs, Brandstiftungssachen oder Amtsmissbräuche (z.B. von Ärzten) hätten mich auch interessiert, aber das wurde abgelehnt. Stattdessen konnte ich mir den 17. Fall zu "Erschleichen von Leistungen" ansehen, bei dem wiedereinmal die 1,70 Euro für den Straßenbahnfahrschein nicht bezahlt wurden. Irgendwann wird auch das langweilig und man kommt sich wirklich wie in einer Beschäftigungstherapie vor.

Um es kurz zu machen: Überlegt euch genau, was ihr in der Behörde, in der ihr euer Praktikum machen wollt, sehen und lernen wollt. Mit konkreten Vorstellungen und Erwartungen können die dann dort vermutlich mehr anfangen, als wenn man (so wie ich) dort hin kommt, und sich das ganze eben mal anschauen will. Am besten formuliert ihr das dann auch bereits so in eurer Bewerbung, damit auch die Behörde schon eine Vorstellung davon bekommt, wo und wie sie euch einsetzt. Gegebenenfalls könnt ihr so ja auch einige mögliche Praktikumsstellen im Vorfeld ausschließen, die nicht bereit sind euch die Dinge zu zeigen, die euch interessieren.

Ich hab jedenfalls was aus diesem Praktikum gelernt, nämlich dass auch ein Praktikum einer gewissen Vorbereitung bedarf, die man nicht vergessen sollte.
Mir wird das so jedenfalls nicht noch einmal passieren.

LG an alle Leser,
flyingpinguin1!
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