Dies ist eine Diskussion zu Studium + Nebentätigkeiten innerhalb des Forums Allgemeines Forum für Jurastudenten
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| Hallo, ich stehe derzeit vor wichtigen Entscheidungen hinsichtlich meiner Beruflichen Zukunft und würde mich freuen, wenn Ihr mir ein paar Tipps geben bzw. meine Fragen beantworten könntet! Ich mache gerade eine Ausbildung und habe den theoretischen Teil der Ausbildung schon hinter mir. D.h. ich habe bis auf ca. 2 Tage in der Woche Zeit und würde gerne diese Zeit nutzen, um mir ein zweites Standbein oder auch eine neue berufliche Zukunft/Alternative aufzubauen. Ein Jurastudium erscheint mir als interessant und vielseitig. Ich würde meine Fähigkeiten in diesem Bereich auch als recht gut einschätzen. Als Alternative würde ich jobben gehen. Jedoch erscheint es mir als sinnvoller mich weiter zu bilden. Ich habe deshalb folgende Fragen: - Ist es überhaupt Möglich, neben dem Studium auch noch an 2-3 Tagen einer weiteren Tätigkeit nachzugehen? - Wie oft muss man den Vorlesungen teilnehmen bzw. in der Uni sein? Muss man zwingend immer in der Stadt leben in der man studiert? - Ist ein Jurastudium mehr Heim und Einzelarbeit oder lernt man mehr in der Uni? In welchem Verhältnis steht dieses? - Wie sieht es aus mit NC und Auswahlverfahren? Wie sind die Anforderungen? Über eine Beantwortung meiner Fragen würde ich mich sehr freuen. |
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| AW: Studium + Nebentätigkeiten Zitat:
Jedenfalls ist Jura nicht so, wie es Richterin Barbara Rotschopf im Fernsehen darstellt. Und mit Gerechtigkeitsgelaber hat Jura auch nichts zu tun. Zitat:
Zitat:
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1. Es ist ruhiger 2. Ich kann mir meine Zeit einteilen wie ich will. Wenn ich ne halbe Stunde Pause brauche, kann ich mich auch mal kurz aufs Bett legen und die Augen zumachen. Ich kann aber auch nen Film gucken. 3. Zu Hause gelten meine Regeln. Ich mache so viel Lärm wie ich will, ich kann essen wann und wo ich will (keine Getränke in der Bib, ne?) usw. 4. Ich spare mir den Weg zur Uni und zurück Nachteile sind, dass man weniger Lernmaterialien zur Verfügung hat, dass man mehr Disziplin braucht (die auch mir oft fehlt^^) und dass die "soziale Kontrolle" fehlt: In der Uni lernt man vielleicht mehr, wenn man sieht, dass die bekannten Gesichter immer schon vor einem da sind und nach einem gehen. Das war jetzt bezogen auf das Lernen in der Biblibothek. Eine andere Sache sind natürlich die Vorlesungen. Auch hier gibt es wohl kein allgemeingültiges Rezept. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Bei mir persönlich war es so, dass ich mit der Zeit in immer weniger Vorlesungen gewesen bin. Im ersten Semester besucht man sowieso jede Vorlesung, aber das flaut ganz schnell ab. Bei mir wuchs mit der Zeit die Sicherheit einzuschätzen, was wichtig ist und was nicht bzw. was man auch ohne Hilfe lernen kann und was eben nicht. Beispielsweise war ich nie in der Vorlesung Besonderes Verwaltungsrecht (Polizeirecht, Baurecht, Kommunalrecht). Diese Gebiete hab ich mir zu Hause selbst angeeignet. Ich würde sagen, am Ende war ich mindestens genauso fit da drin wie alle anderen auch, hatte aber weniger Zeit investiert. Denn die anderen haben das ja auch zu Hause nachbearbeiten müssen, in der Vorlesung ist es aber oft so, dass auch Dinge, die einem selbst eher leicht fallen, anderen enorme Probleme bereiten. Beispiel Sachenrecht: Oh man wie oft wird in der Grundkursvorlesung und später im Uni-Repititorium EBV oder dingliche Sicherheiten besprochen? In einer Breite, dass es mir nur noch zum Hals raushing, weil es mir gleich beim allerersten Mal vollkommen eingeleuchtet hat. Und Gespräche mit Kommilitonen zeigen mir, dass die es selbst nach dem tausendsten Mal noch nicht kapiert haben. Umgekehrt kapier ich nach wie nicht manche Theorie im Strafrecht, die x-fach besprochen wurde. Was ich damit sagen will ist: Wenn man zu Hause lernt, kann man sich selbst einteilen, was man ausführlicher machen will und was man fast überspringen kann. In Gruppen wird da immer nur der Durchschnitt bedient, wobei gilt: Je größer die Gruppe, desto weniger individuell ist die Bearbeitungstiefe. AGs mit 20 Leuten sind noch angenehmer als Vorlesungen mit 400 Leuten. Es kommt auch ein bisschen drauf an, was man für ein Typ ist. Wenn man der audio-visuelle Typ ist, dann braucht man vielleicht eher den Prof, der vorne etwas erzählt. Lernt man am besten, indem man sich etwas durchliest und es dann schriftlich zusammenfasst, kommt man zu Hause besser klar. Das ist ja das schöne an Jura: Keine Anwesenheitspflicht. Letztlich ist es ein Selbststudium und nicht dieser Bachelor-Frontalunterrichts-Einheitsbrei. Zitat:
Bei Jura hingegen ist es m.E. so, dass man viele Fähigkeiten braucht, die in der Schule gar nicht, oder nur untergeordnet eine Rolle spielen. Ganz wichtig ist etwa eine hervorrangede Beherrschung der Sprache. Wenn ich sage "Beherrschung", dann meine ich das auch: Man braucht einen überdurchschnittlich hohen aktiven und passiven Wortschaft, man muss andere durch den eigenen Ausdruck überzeugen können, man muss auch Nuancen der Sprache meistern. Sicher, einen Teil davon lernt man während des Studiums. Aber wer schon in der Schule im Deutschkurs bei der Textanalyse immer ein bisschen unsicher rumgeeiert ist, der wird in Jura versagen. Man braucht ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen, Disziplin und Ausdauer, außerdem sollte man auch mit Niederlagen umgehen können - wer den Kopf hängen lässt, weil er kein Sternchen unter der Klassenarbeit hat, der kann das Studium gleich lassen. Man braucht die Fähigkeit, unter hohem (Zeit-)Druck zu arbeiten, dabei muss man sich schnell und bestimmt für etwas zu entscheiden können (nicht war liebe Freunde der philosophischen Fakultät? ). Man muss viel (mehr als sonstwo) und gerne lesen und das Gelesene im Gedächtnis verarbeiten und lange Zeit abspeichern können. Um es genau zu sagen, erwirbt man das Wissen eigentlich nur aus Büchern, wer also nicht in der Lage ist, 6 Stunden am Stück (Kaffepausen sind erlaubt^^) zu lesen, weil ihm dann die Augen bluten, der ist hier falsch. Ach ja, wenn man das alles mitbringt und durchzieht, dann erwartet einen ein Leben in Armut und der Unmut der Bevölkerung. Nein, ganz so drastisch ist es nicht. Aber die meisten werden eher nicht reich. Und mit dem Ansehen ist es heute auch nicht mehr so weit her, man ist - im Gegenteil - allzuoft der Buhmann, weil man als Anwalt wie als Richter gleichermaßen die zunehmende Unfähig- oder Unwilligkeit des Gesetzgebers ausbaden muss.Wenn man aber wirklich was für die Gesellschaft tun will und die notwendigen Fähigkeiten mitbringt, dann herzlich willkommen. In diesem Beruf kann man was bewegen. Hier hat man mehr Verantwortung für das Schicksal von Einzelnen, als in sehr vielen anderen Berufen. Und das allerbeste am Studium ist, dass es einem persönlich sehr viel bringt. Wenn ich mich so in meinem Bekannten- und Familienkreis umschaue, dann haben die meisten ständig irgendwelche rechtlichen Fragen. Nicht unbedingt Probleme, die einen Anwalt erfordern, aber ständig herrscht irgendwo Unsicherheit, wie es wirklich ist. Habe ich ein Umtauschrecht? Muss ich das Knöllchen bezahlen oder sollte ich widersprechen? Ist dieses erlaubt, ist jenes verbindlich? Wurde ich gerade im Internet abgezockt? Was kann die Behörde mir eigentlich tun? usw.. Alles Fragen, die sich nach einem Jurastudium kaum mehr stellen. Der Raketentechniker mag ja in der Lage sein, seinen privaten Mondflug umzusetzen, aber in Fragen des täglichen Lebens weiß er nicht mehr als andere. Wow, das war was länger. Ich hoffe es hilft als Denkanstoß... Gruß Hafish |
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