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Studienentscheidung

Dies ist eine Diskussion zu Studienentscheidung innerhalb des Forums Allgemeines Forum für Jurastudenten

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Alt 28.12.2004, 15:10
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Studienentscheidung

Hallo!

Da sich mein Zivildienst so langsam dem Ende neigt möchte ich mich nun um einen Studienplatz kümmern.

Das es in die juristische Ecke gehen wird habe ich schon recht früh entschieden, nur bin ich total unentschieden, ob ich nun "normales Jura" an der Uni, Wirtschaftsrecht (FH) oder Informationsrecht (FH) wählen soll.

Meine Bedenken gegen die letzten beiden Studiengänge sind, dass man durch sie nur ein eingeschränktes Berufsfeld hat & das evtl. FH Absolventen evtl. schlechter einen Job finden als Uni Absolventen.

Deshalb würde ich gerne ein Paar Meinungen von Leuten hören, die einen der Studiengänge abgeschloßen haben und was für Erfahrungen sie mit der Berufssuche gemacht haben.
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Alt 28.12.2004, 15:50
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AW: Studienentscheidung

Hallo!

Weißt du denn, was du nach dem Studium vor hast? Wenn du "normal" studierst kannst du ja so ziemlich alles machen. Wenn dich die Wirtschaft reizt und später einmal vorhast in einem Unternehmen unterzukommen, wäre ein FH Studium "Wirtschaftsrecht" natürlich besser, weil du gleich spezallisiert bist.
Das gleiche gilt fürs Informationsrecht.
__________________

Alle Angaben ohne Gewähr


In dubio pro reo
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  #3 (permalink)  
Alt 28.12.2004, 16:13
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AW: Studienentscheidung

Ich habe auf jeden Fall vor in die Wirtschaft damit zu gehen!

Aber da stellt sich mir eben die Frage, ob Unternehmen nicht lieber Volljuristen einstellen, als Wirtschaftsrechtlern, die nicht auf allen Gebieten Ahnung haben!
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  #4 (permalink)  
Alt 28.12.2004, 17:29
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AW: Studienentscheidung

Hm, also zuerst mal ein Hinweis: Was folgt, ist meine maximalsubjektive Ansicht, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Aber das Thema liegt mir irgendwie am Herzen, also schreib ich sie mal auf.

Dann zur Person: Ich bin Volljurist, wie sich das so schön nennt, irgendwo verstaubt auch noch eine Anwaltszulassung. Ich arbeite in der Rechtsabteilung einer Versicherung, so circa seit 3 Jahren. Ich weiß also in etwa, wovon ich rede. Und ich betrachte mich als einen, der sehr viel Glück mit dem Job gehabt hat.

Wenn ich danach gefragt werde, ob man Jura studieren solle, ist meine Aussage immer die gleiche: Lass es!

Jura ist ein sehr arbeitsintensives Studium. Auch der Beste darf nicht hoffen, gute Ergebnisse ohne lange und harte Jahre des paukens zu erzielen. Nun, das behaupten fast alle Akademiker von ihrem Studiengang. Aber schau mal an einem heißen, sonnendurchglühten Samstag Nachmittag in die Unibibliothek deiner Wahl. Und zähle mal grob durch, vor wie vielen der Anwesenden so ein dicker roter Ordner liegt, der Schönfelder, die juristische Standardgesetzessammlung. Minimum 40%, würde ich raten. Die nächst kleinere Gruppe hat den grünen Pschyrembel vor sich, die Mediziner. Der Rest ist bunt gemischt. Nein, Jura bedeutet sehr viel Aufwand, Stress, Prüfungsdruck, und zwar in Relation zu fast allen anderen Studiengängen. Das bringt leider auch viele Kommilitonen dazu, in sehr unschöner Weise die Ellenbogen auszufahren.

Selbst wenn du dem gewachsen bist, mach dir klar, das hebt dich noch nicht von der Masse ab. Die lernen alle wie blöd, damit bist du noch nichts besonderes. Der Konkurrenzkampf ist knallhart.

Nach dem Studium machst du zwei Jahre staatliche Ausbildung, das sog. Referendariat. Die Bedingungen wurden jüngst deutlich verschlechtert, vor allem die Bezahlung gesenkt, und der Beamtenstatus geknackt. Wenigstens in den südlichen Bundesländern. Häufig hast du Wartezeiten, bevor du Referendar werden kannst.

Der Arbeitsmarkt ist katastrophal. Das ist er überall? Es gibt jammern und jammern... Bei Jura hängt der Erfolg maximal von der Note ab. Die Note speziell des zweiten juristischen Staatsexamens ist wesentlich entscheidender als in anderen Studiengängen. Die Möglichkeit, Schwächen durch Praktika auszugleichen, oder durch andere Zusatzqualifikationen ist gegeben, aber sehr gering. Ein minimaler Prozentsatz qualifiziert sich für das Notariat, so das Landesrecht die Vergabe von Notarsposten durch Note vorsieht. Unter 1%. Etwas mehr schaffen den Sprung in Verwaltung und Justiz – maximal 10% der Besten, eher weniger im Moment. Für den Rest bleibt die Anstellung in der Wirtschaft, und auch das ist ein extrem selten gewordenes Privileg. Vielleicht weitere 10%? Die allermeisten hungern sich als Anwälte durch, ohne Anstellungsverhältnis, als freie Mitarbeiter. Das bedeutet Ausbeutung, ohne jeden Abstrich. Ein Leben im unteren sozialen Spektrum, mach dir das klar. Und auch mit regulärem Anstellungsverhältnis hat sich die Situation der Juristen unter Personalern längst rumgesprochen: Es werden Minimallöhne gezahlt.

Ich kenne persönlich eine lange Liste von Leuten, die schon das Studium geknickt hat. Die es immer und immer wieder versucht haben, bis sie einfach irgendwann endgültig durchgefallen sind. Die Prüfungen auf dem Weg zum ersten Staatsexamen sind eher einfach, und geben dir kaum Hinweise auf die wirkliche Eignung. Dafür kommt mir dem ersten Staatsexamen eine echte Hammerprüfung auf dich zu, die locker mit Durchfallquoten zwischen 30 und 40% aufwartet. Wenn das passiert, bist du circa 28, schon recht alt. Oft zu spät für eine Umkehr.

Die Hoffnung auf eine Besserung treibt immer mehr Studenten in den Studiengang. Immer noch ist Jura "in". Andere haben den Schweinebauchzyklus: Viele studieren weil der Markt gut ist, viele kriegen keinen Job, es spricht sich rum, es studieren weniger, der Markt wird besser... Wir haben das Lemming-Prinzip realisiert: Einer vorneweg über die Klippe, tausende hinterher. Besserung ist nicht in Sicht.

Also Jura Uni: Ich rate ab. Speziell, wenn du in "die Wirtschaft" willst. Das ist zu schwer zu realisieren.

Wirtschaftjura: Ich habe nicht mehr die Kontakte zu früher, vor 4, 5 Jahren soll es ganz gut gelaufen sein. Aber mach dir klar, du stößt damit auf die Arroganz der etablierten Volljuristen, die dich nie als gleichwertig anerkennen werden. Der Weg in die klassischen Juristenberufe wie Justiz oder Anwaltschaft öffnet sich dir nicht.

Informationsrecht: Ich muss leider passen, das kenne ich nicht.
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  #5 (permalink)  
Alt 28.12.2004, 18:23
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AW: Studienentscheidung

1. Eine Frage ein bisschen neben dem Thema, bloß aus Neugier: Liest hier im Forum gar kein Richter und/oder Staatsanwalt mit?

2. Wie sieht es aus, wenn man eine akademische Laufbahn in Jura einschlagen will?

Ciao,
Domingo
__________________
Summum ius, summa iniuria

"Nicht das Unrecht soll man anklagen, wenn es das Recht von seinem Sitz verdrängt, sondern das Recht, welches sich dies gefallen lässt." (R. v. Jhering)
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Alt 28.12.2004, 18:32
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Das hört sich ja sehr deprimierend an!

Informationsrecht ist ein recht neuer Studiengang, der speziell auf Internetrecht, Urheberrecht zugeschnitten ist. Also auch ein sehr kleines Berufsspektrum bietet!
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  #7 (permalink)  
Alt 28.12.2004, 19:46
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AW: Studienentscheidung

Wenn dich das Informationsrecht interessiert, dann studiere an der Hochschule Jura. Such dir dazu eine Hochschule mit einer Forschungsstelle für Medien und Urheberrecht. Versuch da zunächst als studentische Hilfskraft reinzukommen. Alles weitere wird sich finden.

Jura ist gar nicht so schlecht wie einer der vorherigen Beiträge es aussagt. Derjenige z.B. der diesen Beitrag verfasst hat, hat zumindest einen Job in der Rechtsabteilung einer Versicherung...und die sind auch nicht schlecht bezahlt.

Also: Tue es!
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  #8 (permalink)  
Alt 29.12.2004, 10:07
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@alexpkoeln: Was den Job angeht, es ist, wie ich schon sagte - ich hatte Glück, ziemlich großes sogar, insbesondere in Relation zu meinem gar nicht so großartigen Lebenslauf Leite daraus lieber keine Regel ab. Ich kenne Leute, vor derem fachlichem Können ich den Hut ziehe, die sich weit schlechter stehen.

Und was die Bezahlung angeht, überschätz das nicht. Ich habe keinen Grund zum jammern im Vergleich zu den meisten Juristen, aber meine Bäume wachsen garantiert nicht in den Himmel. Ausserdem fühle ich sehr wohl den Druck von Umstrukturierungsmaßnahmen, Sparkurs und Rationalisierung. Was dir das Leben in der freien Wirtschaft vergällt, ist zum Großteil auch die Unsicherheit. Du weißt einfach nie, wie lange du den Job hast. Ich würde 20% weniger sofort gegen einen Beamtenstatus eintauschen.

@Thema: Ich will hier keine Horrormeldungen verbreiten. Natürlich darf so eine Entscheidung nie allein an der gegenwärtigen Situation ausgerichtet werden. Fühlst du dich geeignet, und hängt dein Herz dran, dann mach Jura. Persönlich hat mir das Studium wahsinnig viel gebracht, bilde ich mir ein. Es formt einen, macht logischer, durchsetzungsstärker, lebenstauglicher. Nur erwarte nicht, dass du auf gute Bedingungen in Bezug auf den späteren Broterwerb stösst, oder ein ruhiges Leben hast. Ich stelle meine Erfahrungen so dar, wie ich sie gemacht habe. Ohne Abstriche. Ich erinnere mich an diese Kuh von Arbeitsamtangestellter, eine Berufsberaterin, die mir als der Abwärtstrend schon mehr als deutlich war die alte Floskel um die Ohren gehauen hat: Machen sie Jura, damit können sie alles machen! Quatsch, den Rang als Generalisten haben uns die BWLer schon lange abgelaufen. Ich möchte nicht, dass jemand auf den weihevollen Kitsch reinfällt, den viele etablierte Juristen immer noch verbreiten, weil sie entweder nicht an der harten Realität teilhaben, oder die schlechte Lage aus Imagegründen leugnen.

Vielleicht einfach mal einen gerade examinierten Fragen? Nach den Studienbedingungen nach dem 1. Examen, nach dem Arbeitsmarkt nach dem 2. Staatsexamen?
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  #9 (permalink)  
Alt 03.01.2005, 14:47
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AW: Studienentscheidung

Ich kann Hammurabi nur voll und ganz zustimmen - Endlich bringt das mal jemand auf den PunkT!!!!
Auch ich habe Jura studiert, immerhin im Grundstudium ganz sauber meine Scheine gemacht. Da ich aber Realist bin, und mich intensiv mit dem Arbeitsmarkt beschäftigt habe, kam ich zu den Entschluss, doch lieber BWL zu studieren, was ich bis heute auch noch tue.
Im Gegensatz zu BWL hat mir mein Jura-Studium immer recht viel Spaß gemacht, auch wenn ich manches mal kurz vor der Verzweiflung war, da trotz massiven Lernens manchmal nur 4 Punkte bei raus kamen. Ich kenne viele Leute die mit vile Spaß und Ambition an das Jura-Studium herangegangen sind, und nach vielen Jahren völlig verkokst und fertig aussehen. Sorry, aber das ist wirklich so.
Als bWLér kann man echt viel mehr in der Wirtschaft machen, vor allem sollte man aber dieses Studium nicht herunterspielen so nach dem MOtto " Das studieren ja alle und so schwer kann das dann nicht sein". Dieses Aussage ist genauso falsch, wie die Behauptung, dass man später mit Jura alles machen kann. Alter Schwede, wir haben hier in Hamburg teilweise Durchfallquoten von bis zu 80 % in den Klausuren!

Wollte diesbezüglich einfach mal meinen Senf hinzufügen, trotzdem aber viel Glück!
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  #10 (permalink)  
Alt 04.01.2005, 14:25
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AW: Studienentscheidung

Oder lies mal das hier: http://www.juraforum.de/forum/t1307/s.html

So sieht es leider aus
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