Dies ist eine Diskussion zu Ist Jura die richtige Wahl? innerhalb des Forums Allgemeines Forum für Jurastudenten
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| Ist Jura die richtige Wahl? Hallo Community, zwar existieren hunderte solcher Themen, aber diese sind ja auch immer von Person zu Person verschieden. Ich habe mich jetzt ein wenig mit dem ganzen Thema "Jurastudium" befasst, mir eine Pro/Contra-Liste gemacht und kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich das Fach studieren sollte oder nicht... ![]() Kurz zu mir: Ich stehe nun kurz davor die 11. Klasse zu beenden und meine bisherigen Semesternoten sind recht gut, wenn auch nicht überdurchschnittlich. (Je nach Interesse einige Einsen, viele Zweien aber auch Dreien) Nun habe ich mir folgende Liste gemacht für ein Jura-Studium: Pro: - Jura war/ist ein "Jugendtraum", da Jura eines meiner ersten Berufswünsche war und ich mich wohl ein Leben lang fragen werde, ob dies das richtige für mich wär. - Meine besten Fächer (vom Interesse und den Noten) decken sich mit den Feldern des Jurastudiums: Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft, Philosophie - Die Einsatzmöglichkeiten sind zumindest breit gefächert und für mich von Interesse (Richter, Staatsanwalt, Anwalt in Unternehmen, Politik etc.) - Es besteht eine Chance auf Karriere (Ja ich bin ehrlich, Geld regiert die Welt...) - Ich bin recht redegewandt und diskussionsfreudig und kann mich auch gut kurz, knapp und präzise halten (Freunde sagen immer, Anwalt wäre der perfekte Beruf für mich...) - Das Schulpraktikum beim Rechtsanwalt (Strafanwalt!) hielt ich für sehr interessant - Das Interesse ist da, und nur aus Interesse folgt bei mir meistens auch Motivation und gute Leistungen Nun aber zu der sehr gewichtigen Gegenseite: Contra: - Das Jurastudium soll überdurchschnittlich schwer sein, was auch Lernen und auch auswendig Lernen betrifft. Ich bin ehrlich gesagt ein Mensch, der sehr viel Wert auf Pausen und soziale Kontakte legt. Ich bin auch ganz gerne mal faul und würde ungerne in einem jahrelangen (vielleicht lebenslangen) Stress stecken... - Der Markt ist von Juristen übersättigt, sodass man sich durch sehr gute Leistungen hervorheben muss, was nur den Wenigsten gelingt - Dementsprechend sind z.B. in großen Kanzlein oder Firmen mit Rechtsabteilungen die Anforderungen gigantisch (hohe soziale Kompetenz, junges Alter aber dennoch Examensnoten mit Prädikat, Auslandsaufenthalte, gute Fremdsprachenkentnisse etc.) - Großer Stress auch im Berufsleben (Jurist als Fulltimejob, 56 Stunden Wochen etc.) - Jura wird in meiner Heimatstadt nicht mehr angeboten. Für mich wohl der größte Knackpunkt, auch wenn viele sagen, dass dieses doch nicht schlimm sei. Würde es bei mir Zuhause im Angebot sein, würde ich es ohne langes Nachdenken sofort ausprobieren... So bin ich aber gezwungen vom ersten Tag an finanziell auf eigenen Beinen zu stehen zu müssen (eigene Wohnung, Erstausstattung etc.) während mir Unterstützung kaum zur Verfügung steht. (z.B. alte Freunde, Verwandte, Insiderwissen über gute Wohnorte, Freizeitangebote, Nebenberufe etc.) Ich habe einfach große Angst davor für das Jurastudium sehr viel aufgeben zu müssen (Freizeit, soziales Leben, mein altes Leben etc.) nur um am Ende ein durchschnittlicher Anwalt zu sein, welcher kaum über die Runden kommt. Dennoch ist es ein alter Traum von mir, ein guter und angesehener Anwalt zu werden und Karriere zu machen, statt nur bei etwas (soll nicht abwertend klingen) "Durchschnittlichem" zu bleiben. Als Alternative denke ich immernoch über ein Lehramtsstudium für Gymnasium in meiner Heimatstadt nach... Ein sicherlich einfacherer Weg... :/ |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Hallo, ich polarisiere mal ein wenig. Das mache ich gern und vielleicht hilft es der Meinungsfindung weiter. Also, bitte nicht in diesem Falle mangelnde Sachlichkeit beanstanden. Lehrer als faule Socke mit alleine 30 Tagen nur Sommerferien? Gesichertes Auskommen? Wenig Stress? Das klappt nur, wenn man stressresistent ist. Jemand, der (juristische) Anspruchsdiskussionen mit den Eltern stets gewinnt und auch in sozialen Brennpunkten durch die integrative Kraft seiner Worte die Oberhand gewinnt, der wäre an einer Schule fast verschwendet. Und, es hört sich nach Notlösung an, nicht nach befriedigender Arbeit oder Aufgabe, die es durchaus sein kann. Nicht aber für die, denen das Stammfach zu schwer wird und die nach dem Vordiplom auf Lehramt umschwenken. Beruflich sicher eigentlich nur Mathe und Verwandte Fächer. Die Pros arg kondensiert: Jugendtraum, fachlich gut in der Schule, entspricht Karrierewunsch, Praktikum lief gut. Das hat man nicht immer, das sind schon nahe 100%. Die Contras arg kondensiert: Der Herr (?) ist zu faul und hat keinen Bock umzuziehen. Ist das die Hauptmotivation? Keine weiteren Fragen. Zur Motivation: Das nimmt in den ersten Semestern zu oder ab. Entweder weil fachliches Interesse fehlt, odr weil man endlich entscheidet, was man im Leben macht und das einem Spaß macht. Prognose aus Lebenserfahrung und Anschauung anderer: Das weiß man vorher nicht. Ein abgebrochenes Studium nach 1-2 Semestern ist kein Drama, sondern kann eine sinnvolle Investition sein. Zur Durchschnittlichkeit: Das ist keine Schande. Wenige nur werden superreich oder prominent. Ist es nicht gut genug, die Kanzlei oder den Tagesablauf so zu gestalten, dass man einen halben Werktag auf den Golfplatz kann? Die mir bekannten Anwälte arbeiten gern, ein wenig über dem Durchschnitt und machen einen sehr zufriedenen Eindruck. Zur Seßhaftigkeit: Das bereut man später unter Umständen. Wenn es finanziell aber wirklich nicht geht, geht es nicht. Zur Berufswahl: Da gibt es doch so Tests im Internet. Gute Seiten grad nicht zur Hand. Einfach mal machen. "Mein altes Leben aufgeben" - wie wäre es dann mit Hartz IV? Noch sachlich: Es ist NORMAL, das in der 11. noch nicht zu wissen, die Verkürzung 13 auf 12 kann das nur verschlimmern. Und es ist auch NORMAL, das Studienfach abzubrechen, zu wechseln oder auf Lehramt umzuschwenken. Fach- und ortsabhängig machen das ca. 30% bis zum Vordiplom, nur mal als Hausnummer. Diese betrachte ich keineswegs als dumm oder faul. Sondern sie haben etwas probiert und den Kurs korrigiert. Achja, Vordiplom etc. kann man sinngemäß mit Prüfungen und Examen ersetzen. Und noch ein Merksatz: Wer Angst hat, etwas falsch zu machen, wird genau das tun.
__________________ ~ шитт хаппенс? - ерунда! ~ Ornamente, die jemand auf der Mauer seines Nachbarn angebracht hat, die für diesen aber nicht sichtbar sind, berechtigen nicht zu einer Beseitigungsklage. Amtsgericht München vom 15. Juli 2010 (AZ: 281 C 17376/09) |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? So wie ich das sehe, bleibt dir gar nichts anderes übrig, als Jura zu studieren. Wenn es ein Jugendtraum ist und du nicht versuchst, ihn zu verwirklichen, wirst du das später bitter bereuen. Den Heimatort nicht verlassen zu wollen, ist ja ein Zeichen dafür, dass es dir dort emotional gut geht, du viele Freunde und Kontakte hast. Das sind doch schon mal gute Voraussetzungen für ein anspruchsvolles (anspruchsvoller als Lehramt)Studium. Und noch etwas: Unsere Gesellschaft verändert sich momentan stark. Unser momentanes Rechtssystem ist nicht immer für jeden gerecht. Es wird früher oder später zu ganz neuen Gesetzesregelungen kommen müssen, die wir uns jetzt wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen können. Hiefür braucht man fähige motivierte Leute und nicht solche die Jura nur studieren, weil es der Vater oder Großvater auch taten, wenn du verstehst, was ich meine. |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Hallo, danke schon mal für die Antworten! Klingt schon mal gut, ich würde mich weiter hin auch noch dafür interessieren, ob das Studium jetzt wirklich so sehr schwer ist, und was genau da dran so schwer ist. Ich persönlich kann es z.B. auf den Tod nicht austehen Dinge auswendig zu lernen, die man sofort nachschlagen kann, und wäre mit einem Auswendiglernen von ganzen Büchern total überfordert. Da meine Schule es angeboten hatte Studieneignungstests mit dem Arbeitsamt zusammen zu machen, bekam man dort einen guten Überblick. Leider habe ich mich damals für Wirtschaft entschieden. Ich werde mich also die Ferien mal dazu bequemen zum Amt zu fahren, um den Test für Rechtswissenschaften freiwillig nach zu holen. Danke! |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Dann wäre lehramt für dich sowieso keine Alternative. Auswendiglernen muss man zwar auch in Jura, das hält sich dort aber in Grenzen. Der Schwerpunkt liegt da vornehmlich auf der Fähigkeit mit dem Gesetz umgehen zu können, auf Recherchearbeit und aufgrund der Studienstruktur auch auf Selbstdisziplin. Das ist nicht wie beim Bachelor, wo es Anwesenheitslisten, Hausaufgaben und regelmäßige Extramtikulationsgefahr gibt, die einen antreiben. Der Antrieb muss schon von einem selbst kommen. Und je besser der ist, desto weniger Stress wird man später in der Examensvorbereitung haben. |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Kleiner Tipp: Wenn die Schule zu Ende ist, dann wird eh alles anders. Deine guten Kontakte werden sich verflüchtigen, vll. hast du in drei, vier oder acht Jahren noch 3 kumpels aus der jetzigen Zeit. Der Rest ist in der Weltgeschichte verstreut. Irgendwann muss oder will man auch mal auf eigenen Beinen stehen. die beste Zeit damit anzufangen ist der Einstieg ins Studium. Da sind alle nett zu dir, weil Studenten ja idR lebensfremde ****en sind, da kannst du noch guten Gewissens in ne 4 Mann-WG einziehen, ohne als Schmarotzer oder zurückgebieben zu gelten, da kannst du auch mal Mittags um 11 in die Kneipe gehen und dich zulaufen lassen, ohne dass du als Assi dastehst. Von den ganzen Parties usw. mal ganz zu schweigen. Das zu deinem Contra, aber das kann man auch auf jedes Studium übertragen (Medizin nicht, das machen nur Freaks )ABER: Zitat:
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Nein, wirklich.. Wenn du meinst, das ist was, dann machs doch einfach. In nem Forum zu fragen, wo man nichtmal weiß, wer aus Erfahrung spricht und wer mal so irgendwo was gehört hat oder nen Bekannten hat, der nen Bekannten hat, .... Vll. solltest du auch erstmal deine Schulzeit beenden und ein wenig erwachsen werdn... |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Wow, da ist aber jemand negativ eingestellt. ![]() Zitat:
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Klar hat das am Ende nicht mehr viel gemeinsam, aber immernoch mehr als Biologie etc. Zitat:
Aber so gesehen hat das Lesen von "Faust" auch nicht mehr viel mit Jura zu tun. Zitat:
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Gerichtsverhandlungen besucht, Akten gelesen und (natürlich laienhaft) beurteilt, diskutiert, Bibliotheken und Gerichtssäle besucht usw. Zitat:
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Zitat:
Ums mal zu verdeutlichen. Der gesamte Stoff bis zum Examen dürfte bei einmaligem Vorlesungsbesuch etwa 100 sws zuzüglich Hausarbeiten und der Wiederholung in Examenskursen betragen. Von diesen 100sws machen die von dir genannten Fächer wie schon gesagt gute 4sws aus. Vergiss das. Das einzige Schulfach, das dir in Jura wirklich hilft ist, wie brati ganz richtig sagte, Deutsch. Zitat:
Die Rechtswissenschaften sind ein vollkommen eigenständiges Studium, das so gut wie gar nicht auf dem Schulwissen aufbaut. Deshalb ist es auch vollkommen egal, ob man mit 1,0 oder mit 3,0 ins Studium geht, solange man nur Ehrgeiz, Interesse und die erwähnten guten Deutschkenntnisse hat (die sollte man aber mMn sowieso haben, auch unabhängig von jedem Studium). Geändert von Kyuubi86 (21.06.2012 um 12:12 Uhr). Grund: rechtschreibung |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Zitat:
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Wenn du Staatsanwalt werden willst, musst du auch breit sein dich mit verstörenden Abgründen zu beschäftigen und dabei so abgebrüht sein, dass das wie Wasser einfach an dir abperlt. Das ist nix für Jedermann. Wenn es dir um Karriere und Geld geht... hast du auch mal BWL in Betracht gezogen? Also dann liebe Grüße Siobhan |
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| AW: Ist Jura die richtige Wahl? Wieso negativ eingestellt? Du solltest dich aber gleich von irgendwelchen ammenmärchen verabschieden. ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, dass 99,9% durchfallen usw. Ich habs auch geschafft und war nun wirklich kein strebsamer Student (was sich dann aber nach einem Durchfaller im ersten Examen sehr gewandelt hat). Wenn man sich mal ausrechnet, wieviel Entbehrung man hat aufnehmen müssen schleicht sich wirklich leicht eine Unzufriedenheit ein (wie Siobhan sagt)- also wenn man daneben mal die kollegen bspw. aus dem Sektor BWL sieht. Die drücken ihre 8 Semester durch, wie der Anspruch ist weiß ich nicht, und landen dann als Assi. der Geschäftsleitung mit ordentlich Gehalt. Naja, Futterneid ![]() Was hälts du daon, dich einfach mal in der nächstgelegenen Uni in ne Vorlesung zu setzen, oder dich einfach mal nen ganzen tag lang in Vorlesungen zu setzen und dir den Stoff mal reinziehst? Dann siehst du doch am besten, was auf dich zukommt und wieviel Philosophie und Geschichte mit der Angelegenheit zu tun haben. |
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