Thema: jurastudium?
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Alt 03.05.2006, 15:49
Hammurabi Hammurabi ist offline
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AW: jurastudium?

Hm... ich verlinke jetzt einfach mal einen alten Post von mir, der zu der Frage grundsätzlich passt:

Studienentscheidung

Speziell das Thema "Menschenrechte", so es sich überhaupt in diesen Begriff pressen lässt (ich würde generell von Öffentlichem Recht sprechen) dürfte eher brotlos und überlaufen sein. Eine reale Chance zur Arbeit auf diesem Gebiet setzt die Anstellung beim Staat oder interantionalen Organisationen voraus - das ist nur mit Bestnoten, äußerst harter Arbeit, Zusatzqualifikationen und evtl. Beziehungen drin.

Hier noch mal der Text zum Link:


Hm, also zuerst mal ein Hinweis: Was folgt, ist meine maximalsubjektive Ansicht, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Aber das Thema liegt mir irgendwie am Herzen, also schreib ich sie mal auf.

Dann zur Person: Ich bin Volljurist, wie sich das so schön nennt, irgendwo verstaubt auch noch eine Anwaltszulassung. Ich arbeite in der Rechtsabteilung einer Versicherung, so circa seit 3 Jahren. Ich weiß also in etwa, wovon ich rede. Und ich betrachte mich als einen, der sehr viel Glück mit dem Job gehabt hat.

Wenn ich danach gefragt werde, ob man Jura studieren solle, ist meine Aussage immer die gleiche: Lass es!

Jura ist ein sehr arbeitsintensives Studium. Auch der Beste darf nicht hoffen, gute Ergebnisse ohne lange und harte Jahre des paukens zu erzielen. Nun, das behaupten fast alle Akademiker von ihrem Studiengang. Aber schau mal an einem heißen, sonnendurchglühten Samstag Nachmittag in die Unibibliothek deiner Wahl. Und zähle mal grob durch, vor wie vielen der Anwesenden so ein dicker roter Ordner liegt, der Schönfelder, die juristische Standardgesetzessammlung. Minimum 40%, würde ich raten. Die nächst kleinere Gruppe hat den grünen Pschyrembel vor sich, die Mediziner. Der Rest ist bunt gemischt. Nein, Jura bedeutet sehr viel Aufwand, Stress, Prüfungsdruck, und zwar in Relation zu fast allen anderen Studiengängen. Das bringt leider auch viele Kommilitonen dazu, in sehr unschöner Weise die Ellenbogen auszufahren.

Selbst wenn du dem gewachsen bist, mach dir klar, das hebt dich noch nicht von der Masse ab. Die lernen alle wie blöd, damit bist du noch nichts besonderes. Der Konkurrenzkampf ist knallhart.

Nach dem Studium machst du zwei Jahre staatliche Ausbildung, das sog. Referendariat. Die Bedingungen wurden jüngst deutlich verschlechtert, vor allem die Bezahlung gesenkt, und der Beamtenstatus geknackt. Wenigstens in den südlichen Bundesländern. Häufig hast du Wartezeiten, bevor du Referendar werden kannst.

Der Arbeitsmarkt ist katastrophal. Das ist er überall? Es gibt jammern und jammern... Bei Jura hängt der Erfolg maximal von der Note ab. Die Note speziell des zweiten juristischen Staatsexamens ist wesentlich entscheidender als in anderen Studiengängen. Die Möglichkeit, Schwächen durch Praktika auszugleichen, oder durch andere Zusatzqualifikationen ist gegeben, aber sehr gering. Ein minimaler Prozentsatz qualifiziert sich für das Notariat, so das Landesrecht die Vergabe von Notarsposten durch Note vorsieht. Unter 1%. Etwas mehr schaffen den Sprung in Verwaltung und Justiz – maximal 10% der Besten, eher weniger im Moment. Für den Rest bleibt die Anstellung in der Wirtschaft, und auch das ist ein extrem selten gewordenes Privileg. Vielleicht weitere 10%? Die allermeisten hungern sich als Anwälte durch, ohne Anstellungsverhältnis, als freie Mitarbeiter. Das bedeutet Ausbeutung, ohne jeden Abstrich. Ein Leben im unteren sozialen Spektrum, mach dir das klar. Und auch mit regulärem Anstellungsverhältnis hat sich die Situation der Juristen unter Personalern längst rumgesprochen: Es werden Minimallöhne gezahlt.

Ich kenne persönlich eine lange Liste von Leuten, die schon das Studium geknickt hat. Die es immer und immer wieder versucht haben, bis sie einfach irgendwann endgültig durchgefallen sind. Die Prüfungen auf dem Weg zum ersten Staatsexamen sind eher einfach, und geben dir kaum Hinweise auf die wirkliche Eignung. Dafür kommt mir dem ersten Staatsexamen eine echte Hammerprüfung auf dich zu, die locker mit Durchfallquoten zwischen 30 und 40% aufwartet. Wenn das passiert, bist du circa 28, schon recht alt. Oft zu spät für eine Umkehr.

Die Hoffnung auf eine Besserung treibt immer mehr Studenten in den Studiengang. Immer noch ist Jura "in". Andere haben den *******ebauchzyklus: Viele studieren weil der Markt gut ist, viele kriegen keinen Job, es spricht sich rum, es studieren weniger, der Markt wird besser... Wir haben das Lemming-Prinzip realisiert: Einer vorneweg über die Klippe, tausende hinterher. Besserung ist nicht in Sicht.

Also Jura Uni: Ich rate ab. Speziell, wenn du in "die Wirtschaft" willst. Das ist zu schwer zu realisieren.

Wirtschaftjura: Ich habe nicht mehr die Kontakte zu früher, vor 4, 5 Jahren soll es ganz gut gelaufen sein. Aber mach dir klar, du stößt damit auf die Arroganz der etablierten Volljuristen, die dich nie als gleichwertig anerkennen werden. Der Weg in die klassischen Juristenberufe wie Justiz oder Anwaltschaft öffnet sich dir nicht.

Informationsrecht: Ich muss leider passen, das kenne ich nicht.
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