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Vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit: Eventuell droht Kündigung

20.05.2015, 12:38 | Arbeitsrecht | Jetzt kommentieren


Vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit: Eventuell droht Kündigung
Arbeitnehmer die nach Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in Urlaub fahren müssen nicht zwangsläufig mit einer fristlosen Kündigung rechnen.

Vorliegend hatte sich ein Arbeitnehmer für etwa zwei Wochen von seinem Hausarzt krankschreiben lassen. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub fand er seine fristlose Kündigung vor. Der Arbeitgeber warf ihm vor, dass er gar nicht krank gewesen sei. Dies ergebe sich aus einem Posting bei Facebook, das vom Arbeitnehmer gegen Ende des Urlaubs verfasst worden war. Dieses hatte den folgenden Inhalt: „….Wunderbaren urlaub auf Sylt mit meinem liebsten verbracht. Morgen geht’s leider schon wieder nach Hause…“.

Das Landesarbeitsgericht Hamm entschied allerdings mit Urteil vom 13.03.2015 (Az. 1 Sa 1534/14), dass die fristlose Kündigung des Arbeitgebers hier rechtswidrig gewesen ist. Denn aufgrund des Facebook-Postings steht nicht fest, dass der Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit vorgetäuscht hat. Durch den Urlaub auf Sylt wird der Beweiswert des ärztlichen Attestes nicht infrage gestellt. Denn Arbeitnehmer die aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig sind, müssen sich nicht immer zu Hause aufhalten. Das gilt erst Recht dann, wenn die Krankheit wie hier aufgrund von übermäßigem Stress am Arbeitsplatz aufgetreten ist.

Arbeitnehmer sollten bedenken, dass Arbeitgeber bei vorgetäuschter Arbeitsunfähigkeit gewöhnlich zum Ausspruch einer fristlosen Kündigung berechtigt sind. In diesem Verhalten liegt nämlich ein Betrug des Arbeitgebers. Von daher müssen sie auch mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen. Allerdings muss dies auch nachgewiesen werden. Allerdings sollten Arbeitnehmer auch darauf achten, was für Inhalte sie bei Facebook veröffentlichen. Das gilt insbesondere in Bezug auf den Arbeitgeber. Insbesondere Beleidigungen und Preisgabe von Betriebsgeheimnissen können einen Grund zur Kündigung darstellen. Das gilt unter Umständen auch, wenn der Inhalt eigentlich nur für Facebook-Freunde bestimmt gewesen ist.

Quelle: Harald Büring (Juraforum.de)
Symbolgrafik: © Christian Jung - Fotolia.com


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