Mindestkörpergrößen für Polizeibewerber sind rechtswidrig

16.03.2016, 08:15 | Arbeitsrecht | Jetzt kommentieren


Mindestkörpergrößen für Polizeibewerber sind rechtswidrig
Gelsenkirchen (jur). Die körperlichen Mindestgrößen von Polizeibewerbern in Nordrhein-Westfalen sind rechtswidrig. Es ist nicht erkennbar, ob die bereits 2006 festgelegten Mindestgrößen zur Einstellung in den gehobenen Polizeivollzugsdienst überhaupt erforderlich sind, urteilte am Montag, 14. März 2016, das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen (Az.: 1 K 3788/14). Gegen das Urteil ist die Berufung zum Oberverwaltungsgericht zugelassen worden.
Geklagt hatte ein Mann, der sich im Oktober 2013 um die Einstellung in den nordrhein-westfälischen Polizeidienst beworben hatte. Bei der Tauglichkeitsuntersuchung wurde besonders genau die Körpergröße gemessen. Danach war er 1,2 Zentimeter zu klein, um Polizist zu werden. Er habe die vorgeschriebene Mindestkörpergröße von 168 Zentimeter nicht erreicht, so die ablehnende Entscheidung des Landes.

Das Verwaltungsgericht hielt die Ablehnungsentscheidung wegen der fehlenden 1,2 Zentimeter Körpergröße für rechtswidrig. Zwar dürfe das Land Mindestanforderungen für die Körpergröße festlegen und dabei auch zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Denn wegen ihrer durchschnittlich geringeren Körpergröße wären Frauen gegenüber Männern bei einer einheitlichen Körpergröße insgesamt benachteiligt,

NRW habe jedoch die Mindestkörpergröße für Polizeibewerberinnen von 163 Zentimeter und für -bewerber von 168 Zentimeter nicht ausreichend mit statistischem Material unterfüttert. Es sei nicht klar, warum die festgesetzten Mindestgrößen für heutige Anforderungen tatsächlich erforderlich seien. Das Land müsse daher künftig überprüfen, ob die derzeit geltenden Mindestgrößen den tatsächlichen Verhältnissen in der Bevölkerung entsprechen.

Je nach Bundesland dürfen Polizeibewerber unterschiedlich Groß und Klein sein. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen oder Brandenburg wird eine einheitliche Mindestkörpergröße von 160 Zentimeter verlangt. Im Saarland gibt es gar keine festgelegte Mindestgröße - dort entscheidet der Polizeiarzt im Einzelfall.

Ebenso wie NRW verlangt Niedersachsen von männlichen Bewerbern mindestens 168 Zentimeter und von Frauen 163 Zentimeter. Beamte des Bundeskriminalamtes schaffen auch kleiner ihre Arbeit. Dort liegt die Mindestkörpergröße für Männer bei 166 Zentimeter und die für Frauen bei 162 Zentimeter. Bei der Bundespolizei werden 165 Zentimeter und 163 Zentimeter verlangt. Bundespolizisten dürfen aber auch nicht alle überragen. Bewerber über 197 Zentimeter werden nicht eingestellt.

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage
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