Lehrer-Ehepaar erhält doppelten Steuerabzug für gemeinsames Arbeitszimmer

23.02.2017, 11:16 | Arbeitsrecht |2 Kommentare


Lehrer-Ehepaar erhält doppelten Steuerabzug für gemeinsames Arbeitszimmer
München (jur). Nutzen mehrere Arbeitnehmer ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam, kann jeder einzeln bis zu 1.250 Euro steuerlich geltend machen. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem am Mittwoch, 22. Februar 2017, veröffentlichten Urteil entschieden (Az.: VI R 53/12). Ihre bislang gegenteilige Rechtsprechung gaben die Münchener Richter damit auf.

Grundsätzlich können Arbeitnehmer für ein „häusliches Arbeitszimmer“ Kosten von bis zu 1.250 Euro pro Jahr geltend machen, wenn sie für notwendige Tätigkeiten in ihrem Betrieb keinen Arbeitsplatz zur Verfügung haben.

Lehrerpaar klagte gegen Verweigerung des doppelten Steuerabzuges


Nach bisheriger Rechtsprechung auch des BFH galt diese Obergrenze „objektbezogen“. Im entschiedenen Fall hatte daher das Finanzgericht Stuttgart einem Lehrerehepaar, das für Unterrichtsvorbereitungen und Korrekturen ein Arbeitszimmer gemeinsam nutzte, den doppelten Steuerabzug verweigert (Urteil vom 12. Juli 2012, Az.: 3 K 447/12; JurAgentur-Meldung vom 7. September 2012).

Anwendung einer personenbezogenen Obergrenze

Der BFH hob dieses Urteil nun überraschend auf. Die Obergrenze sei nicht „objektbezogen“, sondern „personenbezogen anzuwenden“. Der Steuerabzug sei jedem Steuerpflichtigen einzeln zu gewähren, der die Voraussetzungen hierfür erfüllt. Dies soll hier das FG Stuttgart nun noch prüfen.

In seinem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil vom 15. Dezember 2016 stellte der BFH aber schon mal klar, dass jedenfalls hier die Kosten des gemeinsamen Arbeitszimmers – jeweils bis zur Obergrenze von 1.250 Euro – gegebenenfalls hälftig zu teilen sind, weil das genutzte Eigenheim beiden Ehepartnern jeweils hälftig gehört.

In einem weiteren Urteil vom selben Tag entschied der BFH entsprechend. Gleichzeitig betonte er hier die Voraussetzung, dass das Zimmer überhaupt beruflich genutzt wird. Dabei müsse „der Umfang dieser Tätigkeit es glaubhaft erscheinen lassen, dass der Steuerpflichtige hierfür ein häusliches Arbeitszimmer vorhält“ (Az.: VI R 86/13).


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Bisherige Kommentare zur Nachricht (2)

Fine  (27.03.2017 08:40 Uhr):
Vielen Dank für die Beschreibung des interessanten Falls. Allerdings ist es wohl auch bei Themen rund um das Arbeitsrecht immer ratsam sich mit einem Anwalt in Verbindung zu setzen.
Chrisw  (07.03.2017 09:44 Uhr):
Jeder einzeln kann bis zu 1250 Euro geltend machen. Das ist ja überraschend. Mein Freund und seine Freundin praktizieren so ähnlich wie in dem Artikel angegeben. Die sollten das Thema mal mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht durchsprechen lassen. Ich werde die mal hier auf die Seite weiterleiten.



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